Geld aus dem Fenster werfen

Geld aus dem Fenster werfen – eine interessante Redewendung zum Thema Geld. Was bedeutet sie und wo kommt sie her?

 

Bedeutung der Redewendung – Geldverschwendung

Wenn jemand kaum spart und immer viel Geld für Dinge ausgibt, die er eigentlich gar nicht braucht, sagt man

Der wirft sein Geld zum Fenster raus

Diese Redensart zur Geldverschwendung gibt es in vielen leicht unterschiedlichen Formulierungen:

  • sein Geld auf die Straße werfen
  • das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster werfen
  • sein Geld zum Fenster rauswerfen
  • das Geld zum Fenster hinauswerfen oder hinausschmeißen
  • das Geld zum Fenster herauswerfen

An der Stelle möchte ich auf den kleinen aber feinen Bedeutungsunterschied zwischen „hinaus“ und „heraus“ aufmerksam machen. Hier kommt es auf die Standpunkte, die aktuellen Aufenthaltsorte von Beobachter und Geld-aus-dem-Fenster-Werfer an. Die Adverbien, genauer Lokaladverbien, „hin“ und „her“ haben folgende Bedeutung:

„hin“ = weg von mir zu einem anderen Ort
„her“ = von einem anderen Ort zu mir

Wenn ich im selben Raum mit jemandem bin und der andere wirft Geld aus dem Fenster, also weg von mir zu einem anderen Ort, nämlich nach draußen, dann kann ich sagen:

Er wirft Geld zum Fenster hinaus.

Wenn ich draußen im Garten bin und der andere drinnen im Haus, dann kann ich ihm zurufen

Los, wirf viel Geld zum Fenster heraus!

falls ich draußen im Garten unter dem Fenster eine Gelddusche nehmen möchte 😉

Aber wer nimmt das denn schon so genau? Egal welche Formulierung verwendet wird, die Bedeutung von „Geld aus dem Fenster werfen“ geht immer in Richtung Geldverschwendung:

  • viel Geld für sinnlose oder unnütze Dinge ausgeben
  • Geld verschwenden, vergeuden oder verprassen
  • sein Geld nutzlos verschleudern
  • leichtfertig viel Geld ausgeben und verschwenderisch sein
  • mit Geld nur so um sich werfen

oder eben umgangssprachlich:

Kohle auf den Kopf hauen.

 

Wo kommt „Geld aus dem Fenster werfen“ her?

Für die Herkunft dieser Redewendung gibt es verschiedene Erklärungen. Eine Erklärung hängt mit der Stadt Regensburg zusammen. Früher trat der Kaiser an ein bestimmtes Fenster des alten Rathauses und lies sich vom Volk huldigen, das sich auf dem Rathausplatz versammelt hatte. Bei dieser Gelegenheit warf der Kaiser Münzen aus dem Fenster, um sich bei den Armen im Volk beliebt zu machen. Da es sich bei dem Geld aber letztlich um Steuergelder der Bürger handelte, das diese zuvor eingezahlt hatten, machte sich Unmut über diese Art von Geldverschwendung breit. Die Bürger sagten erbost: “Der wirft das (unser) Geld zum Fenster raus”. Daher vermutet man, dass die Redensart etwa ab dem 17. Jahrhundert in Regensburg entstanden ist.

Eine andere Entstehungsgeschichte der Redensart geht auf Thales von Milet zurück. Thales lebte etwa von 624 v. Chr. bis 547 v. Chr. und war ein antiker griechischer Philosoph, Mathematiker und Astronom, der in Milet (Kleinasien, heutige Türkei) lebte. Nicht nur wegen seiner mathematischen Erkenntnis (siehe Thaleskreis) zählte er zu den berühmten Sieben Weisen. Thales gilt als Begründer der Philosophie und Astronomie.

Einmal war er so in Gedanken versunken, dass er während eines Spaziergangs aus Versehen in eine Jauchegrube fiel. Natürlich wurde er dafür von anderen Leuten ausgelacht. Diese Demütigung ärgerte ihn so sehr, dass er die Leute dazu bringen wollte, auch in die Jauchegrube zu steigen, um nicht der einzige Grubenbesucher zu sein. Dazu soll er buchstäblich Geld aus dem Fenster geworfen, also Geld verschleudert haben. Er warf viel Geld in die Jauchegrube und einige arme Leute stiegen dann tatsächlich auch hinein und versuchten sich möglichst viel Geld aus der Grube zu holen. Ob der findige und offensichtlich nicht unvermögende Thales diese Aktion als Geldverschwendung betrachtete, ist nicht überliefert.

 

Geld aus dem Fenster werfen – Sprachbeispiele

Wie viele Paar Schuhe willst du dir eigentlich noch kaufen? Musst du das Geld zum Fenster rauswerfen, wenn wir so knapp bei Kasse sind?

Das neue Projekt ist aus meiner Sicht total sinnlos. Da kannst du das schöne Geld auch gleich zum Fenster rauswerfen.

Der Staat wirft ja eh permanent das Geld aus dem Fenster, dabei könnte man es viel sinnvoller ausgeben für Kindergärten, Schulen und Bildung.

 

Geld zum Fenster rauswerfen – eine Anekdote

Die „Union Deutsche Verlagsgesellschaft“ veröffentlichte 1915 ein mehrbändiges Werk des Autors Walther Kabel (1878 – 1935) mit dem Titel „Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens“. Im vierten Band findet sich auf den Seiten 228–229 eine nette Anekdote zum Thema „Geld aus dem Fenster werfen“ die ich hier in Wort und Bild wiedergeben möchte:

 

Geld aus dem Fenster werfen

Geld aus dem Fenster werfen – Anekdote

 

[Abschrift Seite 228]
Geld zum Fenster hinauswerfen, womit man bekanntlich eine zwecklose Verschwendungssucht bezeichnet, bringt nie Segen. Und doch gibt es ein wahres Geschichtchen, das das Gegenteil beweist.

Der siebenbürgische Botaniker Johann Hedwig, ein Zeitgenosse des berühmten Linné, war sehr arm und hatte während seiner Studienzeit in Leipzig mit bitteren Sorgen zu kämpfen. Schließlich erhielt der junge Student von seinem Vater ein Schreiben, in dem dieser ihm mitteilte, daß er große Verluste gehabt habe, und daß fortan auch die kleine Unterstützung wegfallen müsse, die er ihm bisher monatlich gezahlt habe. Das hieß für Johann Hedwig nichts anderes als ein Aufgeben aller seiner Pläne. Betrübt schlich er am Abend desselben Tages durch die Straßen Leipzigs, vergeblich auf einen Ausweg sinnend, wie er doch noch die Fortsetzung seiner Studien möglich machen könne.

Da hörte er plötzlich aus den Fenstern des ersten Stockwerkes eines großen Gebäudes laute zankende Stimmen herausschallen. Und in demselben Augenblick flog dem überraschten auch schon eine mit Goldstücken gefüllte Börse vor die Füße.

Der Student hob die Börse auf und schaute verwundert zu den Fenstern empor, aus denen er noch immer einen erregten Wortwechsel vernahm. Doch niemand zeigte sich, der das Geld zurückverlangt hätte. Kurz entschlossen klingelte Johann Hedwig an der betreffenden Haustür und wurde dann von einem Mädchen, dem er sein Anliegen vortrug, in das obere Stockwerk geführt, wo ihn in einem vornehm ausgestatteten Zimmer zwei ältere Herren empfingen, denen er sein merkwürdiges Erlebnis erzählte, indem er ihnen dabei die wohlgefüllte Börse zurückreichte.

[Abschrift Seite 229]
Die beiden Herren waren, wie sich bald herausstellte, die Inhaber eines großen Geschäftes, die sich über die Verwendung einer ihnen von einem früheren Angestellten zurückgegebenen Summe nicht hatten einig werden können. Im Verlauf des immer erregter werdenden Streites hatte dann der eine die Börse, in der das betreffende Geld enthalten war, mit den Worten zum Fenster hinausgeworfen: „Am besten ist’s, das Geld gehört dem, der es gerade findet, sonst entzweien wir uns noch wegen der lumpigen dreihundert Dukaten!“ und der Zufall hatte es gewollt, daß es der arme Student war, dem die Börse vor die Füße fiel.

Als die Kaufleute aus der nun folgenden Unterhaltung merkten, wie traurig es dem jungen Menschen ging, schenkten sie ihm in aller Form die ganze Summe, wodurch Johann Hedwig sich in den Stand gesetzt sah seine Studien zu beenden.

Dieses zum Fenster hinausgeworfene Geld trug reichliche Zinsen für die ganze Menschheit, denn Johann Hedwig ist einer der berühmtesten Botaniker geworden.

 

Nette Geschichte 😉

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Viel Spaß beim weiterlesen.

 

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